Jazzland Blues

Artikel in 30 Jahre Computerwelt

Wir schreiben das Jahr 2026 (KEIN TIPPFEHLER!) Oliver Weiss fragt mich ob ich für die 40 Jahre IT-Welt wieder einen Beitrag leisten möchte und sendet mir eine Link auf ein PDF aus 2016. Hmm … echt da hab ich was geschrieben? Na gut, dann schreib ich wieder was. Damit ich es aber nicht verliere, stelle ich hier den 2016er Online und werde die beiden Artikel auf einander verlinken – sobald der 40er fertig ist :-).
Stay tuned!

Unter der obigen Grafik wurde der Artikel veröffentlicht
und die Anzeige habe ich damals ein paar Seiten davon schalten dürfen:

So jung komm‘ ma nimma z’samm!
Meine ersten Programme im Freigegenstand EDV am TGM schrieb ich 1976 in  BASIC und FORTRAN auf Lochstreifen und -karten. „Schneller, schöner, richtiger!“, prägte Julius Schärf fingerschnippend tief in unsere Gehirne ein. Mittlerweile mache ich schon länger „in ERP“ als die Computerwelt erscheint. Kurz nach der Matura 1978 als, ich auf einer Philips-P410 eine Lagerbuchhaltung in eine 48kB Partition zwängte, hieß es noch nicht ERP. Die Daten lagen auf einer ca. zwei Kilo schweren, sieben MB Wechselfestplatte und später auf 5 ¼ Zoll Floppys.

Wer sich an die 80er erinnert war nicht dabei!

Noch in den 1980ern waren PPS, Kundenauftrag und Warenwirtschaft die schwergewichtigeren operativen Module, die an Fibu, Kore und teilweise Lohn in Monatsintervallen – nach vorherigem Abgleich der Kunden und Lieferantenstämme – ihre Buchungen ablieferten. Nicht selten, dass die Module auf den mittleren Datensystemen auch von verschiedenen Softwarelieferanten kamen, und damit auch noch Artikelstämme abgeglichen werden mussten. Integriertere Lösungen gab es im Großrechnerbereich.

Das Ziel dieser Systeme? Lager, Stücklisten, Produktion,… erleichtern und beschleunigen um Wettbewerbsvorteile zu erzielen, damit am Ende alle gesetzlichen Anforderungen der Fibu erfüllt werden. -> „Schneller, schöner, richtiger!“
Die heißen Themen damals: Auswertungen, Belege, Schnittstellen, Releasewechsel, Datenqualität – richtig addieren können setzte man voraus.

Als Rechner für PPS&Co war es das Jahrzehnt der Nixdorf, Kienzle, S3x, Digital, … und der HP3000, auf der ich mich in COBOL84 und SIS-PPS „verewigte“. Die Grenzen zu Osteuropa waren noch dicht – lokale, deutschsprachige Benutzeroberflächen völlig ausreichend. Festplattenspeicher teuer und sperrig. Das „gigantische“ Laufwerk von HP, die 404MB Festplatte, trug den Spitznamen „Waschrumpel“ und war um ca. 500.000 Schilling ein echter Deal! Ich programmierte und optimierte Software für Lohn, Einkauf, Lager, PPS oft nach einem inspirierenden Break im Jazzland, bis in die frühen Morgenstunden – um am nächsten Tag kurz nach Mittag festzustellen, dass da doch auch einiges an „Kot im Code“ war – dafür aber wenig Dokumentation (… sagen Sie es nicht meinem Ex-Chef Otto Wiegele/SIS!).

Perestroika und Glasnost!

Die Öffnung der Ostgrenzen führte, besonders rund um Linz und Wien, zu einer massiven Nachfrage nach mehrsprachigen ERP-Lösungen zuerst Englisch rasch aber auch in den Landessprachen. Die österreichischen KMUs kauften Produktionsstandorte in CZ,H, … und wollte diese rasch als verlängerte Werkbank in ihre Abläufe integrieren. Kleinere Anbieter übersetzten für Bestandskunden punktuell einzelne Programmfunktionen. Große, die schon vorher in Konzernen verankert waren, taten sich zwar mit Sprachen leichter, mussten aber auch mittelstandstaugliche Lösungen anbieten. Den Weg von R/2 zu R/3 und AS400 in diesen Jahren kann man in Wikipedia nachlesen und seine eigenen Schlussfolgerungen ziehen.
Vom „Spielzeug“ zur ERP Plattform
Anfangs belächelt knabberten die, Ende der 80er auf DOS entwickelten Systeme, die Mittleren von unten an. Windows Server wurden leistungsfähiger und emulierten schließlich die ausgestorbene Spezies wie Nixdorf, VAX, … Der richtige Schub kam mit den Ende der 90er nativ für Windows entwickelten ERP-Systemen, die ohne Rücksicht auf historischen Ballast (=Bestandskunden) neue Technologien voll nutzen konnten. Hier Namen zu nennen vermeide ich aus Neutralitätsgründen ganz bewusst.

Es muss ein EDI oder e+ oder ein „i“ sein!
Getrieben von der Automobilindustrie und den Handelsketten, hatten die Systeme vermehrt Datenaustausch mit Kunden und Lieferanten zu unterstützen. Auf SEDAS folgten ODETTE und EDIFACT. Immer mehr der eigenen Geschäftsprozesses wurden damit zum Geschäftspartner ausgelagert. Aus IT-Sicht: einfach nur ein Schnittstellenthema. Mit dem Siegeszug des Internet wurde die Dateneingabe auch dem Endkunden anvertraut. Die Oberflächen müssen benutzerfreundlicher, intuitiver und spielerischer werden. Um das zu ermöglichen, werden die Hintergrundmechanismen der Programme immer komplexer. Beispiel: „Verhindern, dass Erasmus Erpel eine Mobiltelefonlieferung nach Entenhausen bestellt.“ – True Story! Oder: „Schneller, schöner, richtiger!“

ERP das schwarze Loch für Business Module?
Was wir seit einigen Jahren ERP nennen, ist aus der Verschmelzung der Eingangs angesprochenen Module entstanden. Jahr um Jahr werden weitere Satellitensysteme an das ERP herangeführt und integriert. Beispielsweise CRM, DMS/ECM bewegen sich  – auch wieder von den großen Anbietern forciert – immer näher Richtung ERP-Kernfunktionalität. Weshalb ich in den letzten Jahren zu dem Begriff „Business Software“ tendiere.

Industrie 4.0, IoT und Digitalisierung …

… SO AUCH ERLEDIGT! Die drei derzeitigen Buzzwords der IT sind in diesem ERP-Essay untergebracht. Nach 38 Jahren ERP, habe ich schon einige Marketingumfüllprozesse alten Weines mitverfolgen dürfen. Zahlreiche – NEIN!: Zahllose Anwenderunternehmen arbeiten seit Jahren daran, ihre Prozesse zu optimieren und nutzen dabei die technisch vorhandenen Möglichkeiten, lange bevor diesen ein klingender Begriff umgehängt wurde. Wenn Sie mit Ihrem Smartphone über eine LTE Verbindung und einer APP Ihre Bestellung absetzen, so wird daraus zu 99,9% in einem ERP-System ein Kundenauftrag, eine Lieferung mit Lagerbuchung, offenen Posten, Zahlung, Banktransaktion usw. Wenn dann Lieferung und Rechnung kommen, können Insider an deren Layout ablesen welches ERP-System diese Belege erstellt hat – nicht selten eines mit soliden Wurzeln in den 80+90ern.

Sentimental ERP-Journey!

Was hat sich geändert? Glauben Sie mir: In der Basis der Systeme NICHTS NEUES! Am 5. April 2016 telefonierte ich mit einem ex-Kunden der sich ca. 1988 für die Lösungen der SIS Datenverarbeitung auf VAX entschieden hatte. Derzeit integriert er CRM und ECM ins ERP. In die SIS Lösung? Klar – die läuft natürlich weiter! Keine Ablöse geplant! Es bildete sich eine Träne in meinem linken Auge (s.o.: „verewigt“) – Stücklisten, Produktionsaufträge, … : Autor: SCHOBER/1984

ERP2016:  „Schneller, schöner, richtiger!“

Die ERP-Praxis Langzeitstudie der Trovarit (Erhebung für 2016 läuft!) untermauert meine subjektive Wahrnehmung. Die heißen ERP-Themen 2014 waren: Auswertungen, Belege, Schnittstellen, Releasewechsel, Datenqualität UND Mobility. Was sich verändert hat? Die steigende Erwartungshaltung der Kunden/Konsumenten, ihre Waren schneller in Händen haben wollen und bis dahin informiert sein wo die Ware gerade ist. Deshalb brauchen Unternehmen Systeme, mit denen sie ihre Geschäftsprozesse rasch auf neue Gegebenheiten umbauen können um im Wettbewerb zu bestehen. Mobility ist nur ein konkreter Begriff, aus einer Unzahl von Möglichkeiten, die unter „disruptive Geschäftsmodelle“ fallen, der jetzt aktuell ist. Wenn die Architektur eines ERP-Systems die Möglichkeiten nicht bietet, auf diese Veränderungen einzugehen, dann gibt es Handlungsbedarf. ERP ist damit Startrampe oder Hemmschuh für neue Geschäftsmodelle.

0-1 Digitalsierung bis zum bitteren Ende gedacht 1-0

Das Ziel der ERP Systeme 2016 ist: Kundenaufträge, Lager, Stücklisten, Produktion,… erleichtern und beschleunigen damit am Ende alle Anforderungen der Fibu erfüllt werden und zwar: „Schneller, schöner, richtiger!“. Wenn nun alle Systeme vollautomatisiert sind, die Rohstoffe von Robotern abgebaut werden, automatisch produziert, weiterverarbeitet und montiert werden, wenn nicht ein Verkäufer sondern ein Algorithmus dem Konsumenten treffsicher vorschlägt, welches Produkt er/sie JETZT kaufen soll und aufgrund des implantierten Chips (oder der DNA-Analyse der SuperSmartwatch) 100% eindeutig ist, wer sie sind, dann gibt es nur die vollautomatische eingeblendetes VirtualReality-Darstellung dessen was für Sie richtig ist und einen Dialog im zarten Imperativ: „Sie brauchen das jetzt! – Kaufen ? JA – NEIN?“ oder „1:0“. Wenn nur mehr das „JA“ ohne Fragezeichen zur Auswahl steht, weil ihr persönlicher Konsumroboter bereits für sie entschieden hat, ist die Digitalisierung und Integration aller ERP-Systeme dieser Welt vollständig abgeschlossen, dann steht es  – „1“  für die Digitalisierung, dann haben wir die „0“ uns als Mensch endgültig wegdigitalisiert. Wie es wirklich gewesen sein wird, pusht Ihnen die redaktionsfreie 100 Jahrausgabe der Computerwelt vollautomatisch in den Lesesensor Ihres Avatars.

🙂

Die PDF-Originalausgabe von 2016 finden registrierte Benutzer unter:
https://itwelt.at/wp-content/printausgaben/2016_CW_30JahreComputerwelt_LOW.pdf

Der Artikel beginnt auf Seite 176 – Danke Oliver für die Erinnerung! 🙂 – Wenn Sie den Artikel dort lesen, werden Sie auch bemerken, dass die IT-Welt (damals noch Computerwelt) meine Rechtschreib-, Grammatik- und Tippfehler korrigiert hat – DANKE!

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