Jazzoland Blues

Bitte leise! – Auch Jazzkonzerte sind Konzerte!

Jamsessions

Es gibt Jazzclubs in denen hauptsächlich Jamsessions stattfinden. Die MusikerInnen bringen oft ihren eigenen Fanclub, es gibt keinen Eintritt, sondern der Hut geht herum. Das Publikum ist je nachdem mehr oder weniger der Musik lauschend.

Hintergrundberieselung

Dann gibt es die typische Hotelbar oder auch Feste oder Galadinners, wo die Jazzband vom Veranstalter engagiert wird, um Hintergrundmusik zu spielen aber so, dass sich die Gäste unterhalten können und „nicht von der Musik gestört werden“ – manche Musiker sagen dazu auch „gut bezahlte Proben aber kein aktives Publikum“. Manchmal ist einer der Gäste ein Jazzafficionado und hängt statt zu Netzwerken an den dargebotenen Tönen, denn oft sind es durchaus gute Bands – der Veranstalter lässt sich ja nicht Lumpen 😊 !

Jazzkonzert

Und dann gibt es Jazzclubs wo ein Programm erstellt wird (oft in mühevoller Arbeit!) und für die Konzerte Eintritt zu bezahlen ist (viel zu wenig im Vergleich zu den Pop-Acts in Stadien – aber das ist eine andere Geschichte…). Die meisten der zahlenden ZuhöhrerInnen und  -seherInnen erwarten sich dort auch während des Konzertes eine konzertnahe Darbietung – fast so wie im Konzerthaus oder Musikverein. Nur halt ein wenig Gläserklirren und Besteckgeklapper und hin und wieder ein Begeisterungsschrei und vor allem Zwischenapplaus. Die Nahrung der Musikerinnen auf der Bühne ist die Aufmerksamkeit, die Konzertration des AUFMERKSAM ZUHÖRENDEN Publikums.  Oft kann man es knistern hören und dann sind das DIESE einzigartigen Abende – für alle!
Manchmal verirren sich aber auch Gäste in ein Konzert um dort miteinander angeregt zu plaudern.

In fast allen Clubs gibt es dafür die Möglichkeit sich in einer gewissen Entfernung von Bühne und lauschenden Publikum entfernt nur berieseln zu lassen. Aber wer weiß schon beim Hinsetzen immer ob er oder sie plaudern oder zuhören will? Oft ergibt es erst sich im Laufe des Abends – aus welchen Gründen auch immer 😊 – dass die Priorität von der Musik zum Sitzbnachbarn oder zu Sitznachbarin wandert. Besonders wenn man gerade erst kennengelernt hat … 😉

Dabei passiert es dann, dass diese „hinterhältigen“ Musiker unangekündigt von forte auf pianissimo wechseln, was die Plauderer nicht mitbekommen und auf mezzoforte oder gar forte fortissimo mit der Plauderei fortfahren und die Darbietung übertönen ohne es zu bemerken.

Manche haben aber auch einen unbändigen Drang jeden zweiten Takt zu kommentieren. Im Theater sage ich dazu die Patschenkinobrigade, die daheim am Fernseher ununterbrochen dazu quatscht und das ungeniert im Theater fortführt. Ja, die gibt leider es auch bei Konzerten (öfter sind es zuhörende MusikerInnen 😉)

Aber egal aus welchem Grund – irgendwann wird es störend, und dann versucht jemand vom Lokal, auf die Plauderer einzuwirken und bittet darum leiser oder gar nicht zu sprechen – oder den Raum zu wechseln. In 99% der Fälle sind die „ertappten“ auch einsichtig UND dankbar für den Hinweis – vor allem die obigen Mezzofortler, die nicht mitbekommen haben, dass die Musik leiser wurde.

Auch in 99% der Fälle bedanken sich andere Gäste dafür, dass man die Unruhe

Es kann leider passieren, dass der Lokalmitarbeiter in der Hektik den manchmal falschen Tonfall erwischt, oder der angesprochene Gast ist gerade nicht gut drauf. Dann kann es zu Missverständnissen und manchmal Ärgerlichkeit kommen – was dem Lokalmitarbeiter sehr unangenehm ist – auch weil in der Hektik es oft nicht mehr möglich ist, das Missverständnis auszuräumen. Aber Gottseidank ist das die Ausnahme!

Ein paar Argumente und die Gegenargumente – sachlich = um die Emotion bereinigt:

  • „Warum? Es hat sich doch keiner beschwert!“
    Dass sich keine anderer Gast beschwerte, heißt nicht dass Ihre Unterhaltung keinen anderen gestört hat. Die meisten fressen den Ärger in sich hinein und sagen nichts –dass sind dieselben, die sich beim Mitarbeiter mit erhobenen Daumen für die Intervention bedanken
    oder sogar beim Gehen mit den Worten: „Danke, dass Sie für Ruhe gesorgt haben!“
    Und Gegenfrage:
    Wann haben sie sich zum letzten Mal über was geärgert und sich beim Verursacher nicht beschwert?

  • „Wir haben uns doch eh nur kurz ausgetauscht zur Musik“
    Aus „nur einmal kurz“ wird unbewusst in der Begeisterung länger und öfter.
    Würden Sie das auch in einem klassischen Konzert machen? 😉 – Heben Sie sich doch den Gesprächsstoff für die Pause oder für den Ausklang des Abends auf 😊!

  • „Wir waren doch eh ganz leise!“
    Wenn Sie nach vorne Richtung Bühne sprechen und man bei voller Musiklautstärke ihr „leises“ Murmeln ca. 7 Meter nach hinten hört, dann war das zu laut. Und manche Menschen haben eine sehr tragende Stimme ohne es zu wissen oder zu merken, dass sie unbewusst die Musik übertönen. Manche vergessen es auch – einem klassisch ausgebildeten Sänger kürzlich passiert – war ihm sehr peinlich!  

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